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Archiv der Kategorie: 3.5

Wertung von 1-5

Wie Blätter von den Bäumen – 2

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Wäre die Serienlandschaft ein Computerspiel, ich wäre im Endlevel angekommen.
Klar habe ich diverse Dinge nicht gesehen und werde immer wieder neue entdecken, jedoch bin ich mit allen Serien, die ich als sehenswert empfunden habe, diesen Herbst auf dem neusten Stand.
Was seit dem letzten Serienpost aber hinzugekommen ist, will ich in kurzen Worten und Wertungen diskutieren.

Misfits S4: Am Ende der dritten Staffel hatte ich fast keine Hoffnung für Misfits mehr. Nahezu alle Mitglieder des ursprünglichen Casts waren gegangen und die Geschichte viel zu sehr um die Einführung der neuen bedacht. Zudem fehlte immer noch Nathan. (Nirgends war es so sehr zu merken, wie in der dritten Staffel). Die Ideen der dritten Staffel waren gut, aber die Geschichte um die Charaktere schlecht rübergebracht.
Die vierte Staffel empfängt uns also mit einem fast neuen Cast und tut das eigentlich ganz gut. Die Trauer nach „I am immortal!!!“ ist überwunden, man kann sich wieder auf die Geschichte einlassen, die sich zugegeben wieder nicht stringent auf etwas hinbewegt, aber sich besser an die Charaktere schmiegt und Spaß macht. Man merkt endlich, dass der Flair der Serie – schräger, morbider Humor, ungewöhnlich viel Gewalt, leicht herunter gekommene Helden und immer eine neue Idee – noch da ist.
Als einziges downside: es geht kaum noch um die Superkäfte der Hauptcharaktere.

Wertung: 3,5

The Hour S2: Ich mochte die erste Staffel, mag die zweite fast noch lieber. Wider meines Erwarten sind die beiden Staffeln inhaltlich nahezu von einander getrennt. Ich hatte eine Fortsetzung und Vertiefung der bisherigen Problematik erwartet, kann mich nach Gewöhnung aber auch an den neuen „Fall“ gewöhnen, der unser Nachrichtenteam aus den 50ern beschäftigt. Und ich liebe nach wie vor Romola Garai und beginne Ben Whishaw zu schätzen (weshalb ich mich mehr freute ihn in Skyfall zu sehen, als Ralph Fiennes).

Wertung: 3,5

 

Don’t Trust the Bitch in Apartment 23: Verrückt, merkwürdig, überzogen.
Zugegeben der richtige Mix abstrusen Wahnsinns, um mir ab und an meine Laune zu erhellen. Krysten Ritter macht immer Spaß und passt perfekt in die Rolle der Chloe.
Ich muss fast sagen, dass auf dem oberflächlichsten Level diese Serie auch Dinge wie New Girl ersetzen könnte. Nur dass mich das stubsnäsige Gesicht von Dreama Walker ab und an aufregt. Willkommen in der Welt der Amerikanischen Schönheit. Where everybody looks like a doll. (Sponsored by Pedophiles).

Wertung: 3

Wie Blätter von den Bäumen -1

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Natürlich beziehe ich mich auf die Tatsache, dass im Herbst die internationale Serienlandschaft oft mit einem Haufen Mist und ein paar guten Perlen befüllt wird.
Meine Meinung sei nicht das letzte Wort, aber ich werde in den nächsten Wochen trotzdem versuchen einen kleinen Überblick über die Watchability unseres Herbstenteraimentprogrammes  zu schaffen.

1.) Mockingbird Lane: Eine amerikanische TV Serie, die versucht, den Charm der 1960er Munsters wieder aufleben zu lassen und nicht mal skurril lustig scheitert. Vielleicht mag es daran liegen, dass mein Magen zu schwach zu sein scheint für atmosphärisch schlechte, verklemmt humorvolle Homozide, aber ich bleibe dann im Notfall lieber beim Original. In den 60ern waren Vampire und Werwölfe noch weniger ausgelutscht.
Schade finde ich dabei, dass mir nicht mal der göttliche Eddie Izzard das Grauen versüßen kann, war ich doch absolut angetan von seiner Performance in der dritten Staffel von United States of Tara. (Lassen wir mal „Death Star Cantine“ beiseite). Genauso schade ist, dass ich von Pushing Daisies und Dead Like me-Creator Bryan Fuller eigentlich etwas charmanteres erwartet habe.

Wertung: 2

2.) Underemployed: Keine Ahnung, was MTV da so treibt in den Vereinigten Staaten, aber in letzter Zeit schlittern sie wiederholt mit einem „echten“, nicht real-life-igen Serienformat in meine Wahrnehmung.
Wir erinnern uns an Awkward, wovon die erste Staffel zu mögen, die zweite guckbar war, sofern man nur ein klein wenig etwas für Teenie-Highschool-Kram der etwas sarkastischen Art übrig hat. (Manche Leute wissen, dass ich mich länger als der durchschnittliche Mensch im deutschen Bildungssystem aufgehalten habe und damit ein wenig empfänglicher für solche Themen bin).
Nun ja – wo ich Awkward wirklich mochte, lässt mich Underemployed ein wenig kalt.
Es ist nicht per se schlecht, aber es ist auch nicht mehr als das.
Die Geschichte dreht sich um fünf Freunde, die ein Jahr nach ihrem Abitur nicht die Leben führen, die sie sich erträumt hatten, aber wieder zusammen finden, als Raviva hochschwanger auf der Türschwelle ihres Öko-Exes auftaucht (nur dass in Deutschland Öko besser zu erkennen wäre). Er beginnt für seinen Vater zu arbeiten, alle anderen haben auch crappy Jobs – die Klassenbeste Sophia arbeitet im Donutshop -, aber im wesentlichen scheint es erst mal um die vereinende Kraft des in der ersten Folge geborenen Babies zu gehen.
Das ganze ist ein wenig oberflächlich, die schauspielerischen Leistungen nicht immer wie benötigt und manche emotionale Konflikte scheinen wie aus dem Leben von vierzehnjährigen gegriffen.
Was man der Serie anrechnen kann, ist nette, sympathische und auch fast glaubhafte Charaktere geschaffen zu haben, weshalb man sich das ganze wohl mal ansehen kann, wenn sonst nichts bleibt.
Aber so viel Spiel, Spaß, Spannung und kann man wahrscheinlich nicht erwarten.

Wertung: 2,5

3) Elementary: Wir kennen sie ja, diese Amis. Sie neigen dazu, eine tolle britische Serie zu nehmen und sie 1:1 neu zu verfilmen. Ich persönlich stehe diesem Phänomen mit einem gewissen Unverständnis gegenüber, denn die amerikanischen Remakes sind selten besser, oft nicht mal gleich gut wie ihr Vorbild. Trotzdem wundere ich mich nicht mehr, wenn eine meiner britischen Lieblingsserien auf diese Art im amerikanischen Fernsehen endet. Deshalb hätte ich mir auch denken können, dass mein britischer Liebling Sherlock so enden würde. Und tatsächliche: die Amis kamen, griffen sich den altbekannten Sherlock Holmes und taten was die BBC schon vorher damit tat – sie machten ihn modern. Wie ich wünschte, sie hätten versucht das als Abklatsch von Moffats Erfolgserie dastehen zu lassen. Stattdessen mussten sie versuchen das anders zu machen. Die Prämisse eines modernen Sherlocks schien ja schon spannend genug, wer muss denn noch die guten Storylines dazu nehmen?
Was wir hier im wesentlichen haben ist der Name Sherlock in irgendeine bedeutungslose amerikanische Thrillerserie gesteckt.
Der Versuch Jonny Lee Miller ähnlich exzentrisch darzustellen, wenn wie es Cumberbatch in Sherlock tut, geht wirklich in die Hose. Ich möchte fast sagen: Columbo und Monk hatten mehr mit einem Sherlock Holmes zu tun, als dieser fella.
Und Moffat und Gatiss mehr Ahnung von Logik, Neurologie und möglicherweise jeder anderen Wissenschaft, die in solch einer Serie untergebracht werden könnte, als Elementary Schöpfer Robert Doherty (Schade, hat er doch an netten Dingen wie Ringer und Tru Calling mitgewirkt, die beide zu früh abgesetzt wurden, meiner Meinung nach).
Dass sich dann noch Lucy Liu für den Mist hergegeben hat, tut doppelt weh.

Aber vielleicht sollte das abschließende Statement sein: wenn man versucht zu vergessen, dass Elementary irgendwas mit Sherlock Holmes zu tun hat, kann man es als nette, unterhaltsame Krimi/Thriller-Serie werten und vielleicht auch schon.
Wenn es nicht schon zu viele davon gäbe.

 

Wertung: 2,5

4) Downton Abbey Season 3: Ich mochte die ersten beiden Staffeln, ich mag auch die dritte.
Was mich ein wenig verwundert ist, dass sich Problematiken und Storylines weniger durch die ganze Staffel ziehen, stattdessen immer in einzelnen Episoden gefangen zu sein scheinen und mit ihnen zu Ende gehen.
Trotzdem leidet die Atmosphäre nicht und Gefühle werden großartig gezeigt und gespielt, so dass ich meine Empfehlung auch für diese Staffel aufrecht erhalten würde.

Wertung: 3,5

5) Gossip Girl Season 6: Ich will weinen. Die Serie jemals gut gefunden zu haben scheint angesichts ihrer oberflächlichen und boulevardhaften Aufmache schon mit der ersten Staffel peinlich, aber man guckte trotzdem und hatte seinen Spaß, weil das ganze gut inszeniert und spannend war. Spätestens mit der fünften Staffel näherte sich GG jedoch dem Abgrund und CW hat nicht umsonst die sechste Staffel auf zehn Abschlussfolgen begrenzt. Aber von diesen zehn Folgen, fand ich die erste schon so grauenvoll und hanebüchen, dass ganz klar ist, dass Serena und Co. ihr Ende ohne mich bestreiten werden.

Wertung: 1

Turn me on, damnit!

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Das ist der Titel des 2011 in Norwegen produzierten Coming of Age Films, in dem die 15jährige Alma zur Außenseiterin in Dorf und Schule wird, weil ihr Schwarm Artur nicht eingestehen will, dass er ihr seinen Penis gegen die Wade drückte.

Der Plot klingt schräg genug, auffällig ist aber vor allem Almas Charakter in dieser Story. Anders als der Titel suggeriert, ist es nicht nötig diesen Teenager anzutörnen – das blonde Mädchen ist eine Hormonschleuder, sie masturbiert auf Geldrollen bei ihrem Supermarktjob, der ihre Schulden wegen exzessiver Nutzung einer Sexhotline mindern soll, unterdrückt ihr Stöhnen nicht, wenn sie es sich abends im 90 x 180 cm Kinderbett selber macht und hat diverse sexuelle Phantasien, in die wir als Zuschauer Einblick bekommen.

Aber weil Alma wenig Hehl um ihre Gelüste macht und Arturs Penis-Tat offen ihrer besten Freundin Saralou und deren lipgloss-addicted Schwester Ingrid gesteht, ergeben sich Probleme. Ingrid selbst hat ein Auge auf Artur geworfen und stellt Alma auf einer Party im „Jugendclub“ als Lügnerin und Perverse da. Es folgt eine anstrengende Zeit für Alma, in der sie gemieden und als „Dick-Alma“ ausgelacht wird und in der sich die Probleme mit ihrer Mutter – die sich mit Almas ‚Geilheit‘ unwohl fühlt – zuspitzen. Aber man darf sich an dieser Stelle als Leser nicht maßloses Drama ausmalen – keiner versucht sich umzubringen und Alma raucht zwar ein paar Joints und trinkt ein wenig Alkohol, aber die Heroinspritzen bleiben zu hause. Stattdessen stellt der Film in recht skandinavischer Manier – sollte aus dieser Ecke mal ein Actionfilm kommen, man sage mir Bescheid – die Geschehnisse im gottverlorenen Kaff Skoddeheimen ruhig und beobachtend, ja fast mit der selben Trostlosigkeit wie den Schauplatz selbst, dar.
Und so scheint es auch entsprechend naheliegend, dass man die eigentliche Botschaft des Filmes nicht sofort begreift, obwohl diese so naheliegend ist. Als Zuschauer erlebt man Alma als ein wenig verrückt – man wird Zeuge ihrer ausgeprägten Sexualität, die einem im Vergleich zu eigenen Erfahrungen zu stark vorkommt. Man erlebt aber auch ihre Phantasien (die anfänglich enorm stören, weil sie mit kitschiger Musik unterlegt sind) und glaubt zur Mitte des Films hin, dass Alma sich den Penis an ihrem Bein wohl doch eingebildet haben muss. Als Zuschauer findet man sich also auf einmal auf der Seite all der Leute – ihrer Mitschüler, der Dorfbewohner, ihre Mutter – die Alma ausgrenzend behandeln. (Mal abgesehen davon, dass auch eine Lüge nicht diese Behandlung rechtfertigt).
Doch dann gibt es eine Wende  im Film, die subtil klar macht, dass Alma nicht im entferntesten unnormal ist. Die 15jährige trampt heimlich aus ihrem Kaff nach Oslo, wo eine Bekannte lebt und findet für zehn Filminuten eine warme, offene Umgebung. In diesen Momenten, in denen Alma keine Außenseiterin ist, fröhlich mit der Bekannten und deren MitbewohnerInnen singt und sie den bösen Spitznamen „Dick-Alma“ in einem Lied glorifizieren, wird klar, dass das Problem nicht bei dem Mädchen liegt, sondern allein in ihrem Umfeld. An diesem Punkt fühlt man sich als Zuschauerin schlecht darin, Almas Verhalten jemals als ungewöhnlich gesehen zu haben. Und wie viele Filme schaffen es noch, konkrete Schuldgefühle in einem auszulösen?

Leider kann der Film nicht in dieser Errungenschaft baden, sondern sucht sich ein Ende, bei dem sich alles zum Guten wandelt.
Almas Mutter findet selbst einen Partner, Saralou redet wieder mit ihr und Artur – nachdem Alma ihn vor ihrem Haus als Feigling abgewiesen hatte – bekennt sich auf einem großen Schriftbanner zu seiner semi-sexuellen Penistat.
Warum, oh warum kann so ein Film nicht mal so scheiße und gedrückt enden, wie er angefangen hat?
Wir sind hier ja nicht in Hollywood.

***

Wertung: 3,5