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Wie Blätter von den Bäumen – 2

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Wäre die Serienlandschaft ein Computerspiel, ich wäre im Endlevel angekommen.
Klar habe ich diverse Dinge nicht gesehen und werde immer wieder neue entdecken, jedoch bin ich mit allen Serien, die ich als sehenswert empfunden habe, diesen Herbst auf dem neusten Stand.
Was seit dem letzten Serienpost aber hinzugekommen ist, will ich in kurzen Worten und Wertungen diskutieren.

Misfits S4: Am Ende der dritten Staffel hatte ich fast keine Hoffnung für Misfits mehr. Nahezu alle Mitglieder des ursprünglichen Casts waren gegangen und die Geschichte viel zu sehr um die Einführung der neuen bedacht. Zudem fehlte immer noch Nathan. (Nirgends war es so sehr zu merken, wie in der dritten Staffel). Die Ideen der dritten Staffel waren gut, aber die Geschichte um die Charaktere schlecht rübergebracht.
Die vierte Staffel empfängt uns also mit einem fast neuen Cast und tut das eigentlich ganz gut. Die Trauer nach „I am immortal!!!“ ist überwunden, man kann sich wieder auf die Geschichte einlassen, die sich zugegeben wieder nicht stringent auf etwas hinbewegt, aber sich besser an die Charaktere schmiegt und Spaß macht. Man merkt endlich, dass der Flair der Serie – schräger, morbider Humor, ungewöhnlich viel Gewalt, leicht herunter gekommene Helden und immer eine neue Idee – noch da ist.
Als einziges downside: es geht kaum noch um die Superkäfte der Hauptcharaktere.

Wertung: 3,5

The Hour S2: Ich mochte die erste Staffel, mag die zweite fast noch lieber. Wider meines Erwarten sind die beiden Staffeln inhaltlich nahezu von einander getrennt. Ich hatte eine Fortsetzung und Vertiefung der bisherigen Problematik erwartet, kann mich nach Gewöhnung aber auch an den neuen „Fall“ gewöhnen, der unser Nachrichtenteam aus den 50ern beschäftigt. Und ich liebe nach wie vor Romola Garai und beginne Ben Whishaw zu schätzen (weshalb ich mich mehr freute ihn in Skyfall zu sehen, als Ralph Fiennes).

Wertung: 3,5

 

Don’t Trust the Bitch in Apartment 23: Verrückt, merkwürdig, überzogen.
Zugegeben der richtige Mix abstrusen Wahnsinns, um mir ab und an meine Laune zu erhellen. Krysten Ritter macht immer Spaß und passt perfekt in die Rolle der Chloe.
Ich muss fast sagen, dass auf dem oberflächlichsten Level diese Serie auch Dinge wie New Girl ersetzen könnte. Nur dass mich das stubsnäsige Gesicht von Dreama Walker ab und an aufregt. Willkommen in der Welt der Amerikanischen Schönheit. Where everybody looks like a doll. (Sponsored by Pedophiles).

Wertung: 3

The Brick goes round

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Wer 2005 oder spätestens 2006 ein wenig Augen auf die Filmszene hatte, der hat die letzte Perle des vermeintlichen amerikanischen Indie-Kinos nach Donnie Darko sicher schon damals gesehen.
Brick schlug in die Köpfe aller Cineasten ein, wie …. nun ja, ein wohlgezielter Ziegelstein in die NPD-Parteizentrale einer besonders links besetzen Gegend.
Rian Johnson schuf Atmosphäre und verzierte sie mit Charakteren, die sicher absichtlich einige Stereotype überzogen, um sie im selben Atemzug zu brechen. 
Es störte einen nicht Brick drei mal gesehen zu haben, um endlich verstanden zu haben, was oft mals nur in die Kamera genuschelt wurde, zudem sich das Verständnis für den Film eher instinktiv ergab.  
Joseph-Gordon Levitt gab einen herrlichen Hauptcharakter ab, der durch nichts andere gekennzeichnet wurde, als sein fast fanatisches Bedürfnis seine Exfreundin wieder zu finden und den Ritter auf dem weißen Ross zu spielen, aber eben jene Armut an Erklärungen und Hintergrund machte den Flair von Brick aus. Man sah sich eine Geschichte an, die ferner und gleichzeitig näher vom richtigen Leben nicht hätte sein können.
Looper, Johnsons dritter Streich, dagegen tut durch seinen Kitsch und den Mangel an Weitsicht weh. Man hat das aufdringliche Gefühl, Hollywood hätte Johnson geschnappt und mehre male durch die Kapitalismusanlage gedreht. Jede Wendung ist naheliegend und die Idee der Geschichte, so viel brillianter, als Bricks einfacher Plot, ist maßlos schlecht behandelt worden – lockt zusammen mit Bruce Willis aber sicher viele Kinogänger in den Film.
Aber die eben nicht mehr überzogene, sondern komplett unrealistische Darstellung eines ca sechsjährigen Jungen, der autobiografische Kampf zwischen elterlichen Einfluss und Liebe gegen Angst und den Missbrauch von Macht, tut in Mark und Knochen weh. 
Die moralische Komponente des Filmes ist so dünn, die Aufnahmen so reißerisch, man erkennt Johnsons Handschrift nicht mehr und auch Gordon-Levitts (den ich für viele Rollen schätze) nicht.
In kurzen Sätze möchte ich allen raten, diesen Film sein zu lassen, die nicht nach etwas oberflächlich hollywoodesken suchen, sondern auf etwas ähnlich geniales wie Johnsons Debut gehofft haben.
Weitere Ergänzungen zum Johnsonschen Lebenslauf gibt es, wenn ich mir The Brothers Bloom, seinen zweiten Film endlich mal vollständig angesehen habe.

Wertung: 2,5

Wie Blätter von den Bäumen -1

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Natürlich beziehe ich mich auf die Tatsache, dass im Herbst die internationale Serienlandschaft oft mit einem Haufen Mist und ein paar guten Perlen befüllt wird.
Meine Meinung sei nicht das letzte Wort, aber ich werde in den nächsten Wochen trotzdem versuchen einen kleinen Überblick über die Watchability unseres Herbstenteraimentprogrammes  zu schaffen.

1.) Mockingbird Lane: Eine amerikanische TV Serie, die versucht, den Charm der 1960er Munsters wieder aufleben zu lassen und nicht mal skurril lustig scheitert. Vielleicht mag es daran liegen, dass mein Magen zu schwach zu sein scheint für atmosphärisch schlechte, verklemmt humorvolle Homozide, aber ich bleibe dann im Notfall lieber beim Original. In den 60ern waren Vampire und Werwölfe noch weniger ausgelutscht.
Schade finde ich dabei, dass mir nicht mal der göttliche Eddie Izzard das Grauen versüßen kann, war ich doch absolut angetan von seiner Performance in der dritten Staffel von United States of Tara. (Lassen wir mal „Death Star Cantine“ beiseite). Genauso schade ist, dass ich von Pushing Daisies und Dead Like me-Creator Bryan Fuller eigentlich etwas charmanteres erwartet habe.

Wertung: 2

2.) Underemployed: Keine Ahnung, was MTV da so treibt in den Vereinigten Staaten, aber in letzter Zeit schlittern sie wiederholt mit einem „echten“, nicht real-life-igen Serienformat in meine Wahrnehmung.
Wir erinnern uns an Awkward, wovon die erste Staffel zu mögen, die zweite guckbar war, sofern man nur ein klein wenig etwas für Teenie-Highschool-Kram der etwas sarkastischen Art übrig hat. (Manche Leute wissen, dass ich mich länger als der durchschnittliche Mensch im deutschen Bildungssystem aufgehalten habe und damit ein wenig empfänglicher für solche Themen bin).
Nun ja – wo ich Awkward wirklich mochte, lässt mich Underemployed ein wenig kalt.
Es ist nicht per se schlecht, aber es ist auch nicht mehr als das.
Die Geschichte dreht sich um fünf Freunde, die ein Jahr nach ihrem Abitur nicht die Leben führen, die sie sich erträumt hatten, aber wieder zusammen finden, als Raviva hochschwanger auf der Türschwelle ihres Öko-Exes auftaucht (nur dass in Deutschland Öko besser zu erkennen wäre). Er beginnt für seinen Vater zu arbeiten, alle anderen haben auch crappy Jobs – die Klassenbeste Sophia arbeitet im Donutshop -, aber im wesentlichen scheint es erst mal um die vereinende Kraft des in der ersten Folge geborenen Babies zu gehen.
Das ganze ist ein wenig oberflächlich, die schauspielerischen Leistungen nicht immer wie benötigt und manche emotionale Konflikte scheinen wie aus dem Leben von vierzehnjährigen gegriffen.
Was man der Serie anrechnen kann, ist nette, sympathische und auch fast glaubhafte Charaktere geschaffen zu haben, weshalb man sich das ganze wohl mal ansehen kann, wenn sonst nichts bleibt.
Aber so viel Spiel, Spaß, Spannung und kann man wahrscheinlich nicht erwarten.

Wertung: 2,5

3) Elementary: Wir kennen sie ja, diese Amis. Sie neigen dazu, eine tolle britische Serie zu nehmen und sie 1:1 neu zu verfilmen. Ich persönlich stehe diesem Phänomen mit einem gewissen Unverständnis gegenüber, denn die amerikanischen Remakes sind selten besser, oft nicht mal gleich gut wie ihr Vorbild. Trotzdem wundere ich mich nicht mehr, wenn eine meiner britischen Lieblingsserien auf diese Art im amerikanischen Fernsehen endet. Deshalb hätte ich mir auch denken können, dass mein britischer Liebling Sherlock so enden würde. Und tatsächliche: die Amis kamen, griffen sich den altbekannten Sherlock Holmes und taten was die BBC schon vorher damit tat – sie machten ihn modern. Wie ich wünschte, sie hätten versucht das als Abklatsch von Moffats Erfolgserie dastehen zu lassen. Stattdessen mussten sie versuchen das anders zu machen. Die Prämisse eines modernen Sherlocks schien ja schon spannend genug, wer muss denn noch die guten Storylines dazu nehmen?
Was wir hier im wesentlichen haben ist der Name Sherlock in irgendeine bedeutungslose amerikanische Thrillerserie gesteckt.
Der Versuch Jonny Lee Miller ähnlich exzentrisch darzustellen, wenn wie es Cumberbatch in Sherlock tut, geht wirklich in die Hose. Ich möchte fast sagen: Columbo und Monk hatten mehr mit einem Sherlock Holmes zu tun, als dieser fella.
Und Moffat und Gatiss mehr Ahnung von Logik, Neurologie und möglicherweise jeder anderen Wissenschaft, die in solch einer Serie untergebracht werden könnte, als Elementary Schöpfer Robert Doherty (Schade, hat er doch an netten Dingen wie Ringer und Tru Calling mitgewirkt, die beide zu früh abgesetzt wurden, meiner Meinung nach).
Dass sich dann noch Lucy Liu für den Mist hergegeben hat, tut doppelt weh.

Aber vielleicht sollte das abschließende Statement sein: wenn man versucht zu vergessen, dass Elementary irgendwas mit Sherlock Holmes zu tun hat, kann man es als nette, unterhaltsame Krimi/Thriller-Serie werten und vielleicht auch schon.
Wenn es nicht schon zu viele davon gäbe.

 

Wertung: 2,5

4) Downton Abbey Season 3: Ich mochte die ersten beiden Staffeln, ich mag auch die dritte.
Was mich ein wenig verwundert ist, dass sich Problematiken und Storylines weniger durch die ganze Staffel ziehen, stattdessen immer in einzelnen Episoden gefangen zu sein scheinen und mit ihnen zu Ende gehen.
Trotzdem leidet die Atmosphäre nicht und Gefühle werden großartig gezeigt und gespielt, so dass ich meine Empfehlung auch für diese Staffel aufrecht erhalten würde.

Wertung: 3,5

5) Gossip Girl Season 6: Ich will weinen. Die Serie jemals gut gefunden zu haben scheint angesichts ihrer oberflächlichen und boulevardhaften Aufmache schon mit der ersten Staffel peinlich, aber man guckte trotzdem und hatte seinen Spaß, weil das ganze gut inszeniert und spannend war. Spätestens mit der fünften Staffel näherte sich GG jedoch dem Abgrund und CW hat nicht umsonst die sechste Staffel auf zehn Abschlussfolgen begrenzt. Aber von diesen zehn Folgen, fand ich die erste schon so grauenvoll und hanebüchen, dass ganz klar ist, dass Serena und Co. ihr Ende ohne mich bestreiten werden.

Wertung: 1

Turn me on, damnit!

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Das ist der Titel des 2011 in Norwegen produzierten Coming of Age Films, in dem die 15jährige Alma zur Außenseiterin in Dorf und Schule wird, weil ihr Schwarm Artur nicht eingestehen will, dass er ihr seinen Penis gegen die Wade drückte.

Der Plot klingt schräg genug, auffällig ist aber vor allem Almas Charakter in dieser Story. Anders als der Titel suggeriert, ist es nicht nötig diesen Teenager anzutörnen – das blonde Mädchen ist eine Hormonschleuder, sie masturbiert auf Geldrollen bei ihrem Supermarktjob, der ihre Schulden wegen exzessiver Nutzung einer Sexhotline mindern soll, unterdrückt ihr Stöhnen nicht, wenn sie es sich abends im 90 x 180 cm Kinderbett selber macht und hat diverse sexuelle Phantasien, in die wir als Zuschauer Einblick bekommen.

Aber weil Alma wenig Hehl um ihre Gelüste macht und Arturs Penis-Tat offen ihrer besten Freundin Saralou und deren lipgloss-addicted Schwester Ingrid gesteht, ergeben sich Probleme. Ingrid selbst hat ein Auge auf Artur geworfen und stellt Alma auf einer Party im „Jugendclub“ als Lügnerin und Perverse da. Es folgt eine anstrengende Zeit für Alma, in der sie gemieden und als „Dick-Alma“ ausgelacht wird und in der sich die Probleme mit ihrer Mutter – die sich mit Almas ‚Geilheit‘ unwohl fühlt – zuspitzen. Aber man darf sich an dieser Stelle als Leser nicht maßloses Drama ausmalen – keiner versucht sich umzubringen und Alma raucht zwar ein paar Joints und trinkt ein wenig Alkohol, aber die Heroinspritzen bleiben zu hause. Stattdessen stellt der Film in recht skandinavischer Manier – sollte aus dieser Ecke mal ein Actionfilm kommen, man sage mir Bescheid – die Geschehnisse im gottverlorenen Kaff Skoddeheimen ruhig und beobachtend, ja fast mit der selben Trostlosigkeit wie den Schauplatz selbst, dar.
Und so scheint es auch entsprechend naheliegend, dass man die eigentliche Botschaft des Filmes nicht sofort begreift, obwohl diese so naheliegend ist. Als Zuschauer erlebt man Alma als ein wenig verrückt – man wird Zeuge ihrer ausgeprägten Sexualität, die einem im Vergleich zu eigenen Erfahrungen zu stark vorkommt. Man erlebt aber auch ihre Phantasien (die anfänglich enorm stören, weil sie mit kitschiger Musik unterlegt sind) und glaubt zur Mitte des Films hin, dass Alma sich den Penis an ihrem Bein wohl doch eingebildet haben muss. Als Zuschauer findet man sich also auf einmal auf der Seite all der Leute – ihrer Mitschüler, der Dorfbewohner, ihre Mutter – die Alma ausgrenzend behandeln. (Mal abgesehen davon, dass auch eine Lüge nicht diese Behandlung rechtfertigt).
Doch dann gibt es eine Wende  im Film, die subtil klar macht, dass Alma nicht im entferntesten unnormal ist. Die 15jährige trampt heimlich aus ihrem Kaff nach Oslo, wo eine Bekannte lebt und findet für zehn Filminuten eine warme, offene Umgebung. In diesen Momenten, in denen Alma keine Außenseiterin ist, fröhlich mit der Bekannten und deren MitbewohnerInnen singt und sie den bösen Spitznamen „Dick-Alma“ in einem Lied glorifizieren, wird klar, dass das Problem nicht bei dem Mädchen liegt, sondern allein in ihrem Umfeld. An diesem Punkt fühlt man sich als Zuschauerin schlecht darin, Almas Verhalten jemals als ungewöhnlich gesehen zu haben. Und wie viele Filme schaffen es noch, konkrete Schuldgefühle in einem auszulösen?

Leider kann der Film nicht in dieser Errungenschaft baden, sondern sucht sich ein Ende, bei dem sich alles zum Guten wandelt.
Almas Mutter findet selbst einen Partner, Saralou redet wieder mit ihr und Artur – nachdem Alma ihn vor ihrem Haus als Feigling abgewiesen hatte – bekennt sich auf einem großen Schriftbanner zu seiner semi-sexuellen Penistat.
Warum, oh warum kann so ein Film nicht mal so scheiße und gedrückt enden, wie er angefangen hat?
Wir sind hier ja nicht in Hollywood.

***

Wertung: 3,5

Deutsche Serien sind Mist?!!

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Keine Frage – eigentlich eine Aussage, die sich auf die gesamte aktuelle Film- und Fernsehlandschaft der BRD anwenden lässt.

Zugegeben habe ich nur bedingt viel Erfahrungswert – mein Standardsatz „Ich habe ja keinen Fernseher“ ist nicht nur eine Fil-Referenz, sondern auch eine verteidigende Erklärung dafür, warum ich so wenig über die Breite der deutschen Unterhaltungskultur weiß.
Nachdem sich also die Perlen des deutschen Fernsehens – extra3, viel Tatorte, kinderfreundliches WissenmachtAh! und vielleicht noch die Tagesschau – alle problemlos streamen lassen, war in den letzten Jahren nicht anzunehmen, dass ich auch nur unfreiwillig noch mal Kontakt zu Inhalten deutscher Privatsender aufbauen würde.

Aber die Katze beißt dem Vorsatz in den Schwanz oder eher: Die Jugend dem Alter (wir sprechen hier über gesetzte 25!).
Es gibt die unschöne Angewohnheit, Dinge, die man in Kindheit und Jugend noch mochte, an die man sich quasi in einer günstigen Lebensphase gewöhnt hatte (schlechte Synchros!), auch im fortgeschrittenem Alter eher zu akzeptieren, als wäre der Erstkontakt erst dann passiert. Durch diesen Umstand ergibt sich, dass ich heute nicht komplett ablehnen über eine deutsche Serie schreiben darf.

2003 kam – es muss ProSieben gewesen sein – der etwas erfolgreichere Fernsehfilm „Seventeen – Mädchen sind die besseren Jungs“ in unsere Wohnzimmer. Eine simple Story – junges Mädchen landet im Internat, versucht sich eine neue Identität zu schaffen und gibt sich daraufhin als Junge aus, nur um sich auch in einen solchen zu verlieben und für vermeintliche Geschlechterwirrungen zu sorgen – aber nett umgesetzt. Ich wage mich zu erinnern, dass da von Seiten des Regisseurs und Drehbuchautors Hansjörg Thurn ein wenig Feingefühl für Kamera und Charakterentwicklung geherrscht haben muss. Und an vielen Stellen wäre kritisierbar, dass man auch die Frage der sexuellen oder geschlechtlichen Identität besser hätte problematisieren können, aber der Film versuchte nicht mehr zu sein, als er ist – eine Komöde, die den Spagat zwischen hollywoodesken und deutschem Coming-Of-Age-Film gut schafft.

Dieser Spagat wird fortgesetzt in der Serien „18 – Allein unter Mädchen“, die ich bis heute nie gesehen hatte und die vier männliche Nebencharaktere aus dem Film ausgliedert und für zwei Staffeln (2004/7) in ein Mädcheninternat steckt.
Dort geht es quasi wieder nur um das eine – Sex und ultimativ Liebe, vielleicht auch andersherum – doch die Serie besticht wieder durch die gute Balance – es wird nicht so viel leeres Drama veranstaltet, wie ich es mir bei nervigen Daily Soaps vorstelle und es versucht auch keiner eine oberflächliche Amerikanische Serie wie Ugly Betty in einem noch oberflächlicheren Abklatsch namens Verliebt in Berlin unterzubringen. Stattdessen bekommen wir bessere Charakterentwicklungen, die sich nicht über das übliche Maß hinaus inkonsistent verhalten (dass die Lesbe in der 2.Staffel nun hetero, nicht etwa bi wird, fühlt sich weniger falsch an, als es unabhängig vom Kontext sein sollte).
Woran die Serie sicher auch gewinnt, ist ihr limitiertes Format – mit 10 Folgen pro Staffel, á 25 Minuten ergibt sich ein übersichtlicher Handlungsrahmen, der verhindert, dass romantische Spannungen unnötig in die Länge gezogen werden oder sonstig unbedeutende Nebenstränge als Füller aufgeplustert werden. Auch die einzelnen Folgen, die in der ersten Staffel angenehm immer einer Problematik folgen, während die zweite Staffel wesentlich verflochtener wirkt, sind als nette Häppchen zu sehen, die natürlich die Spannung hin zum Zusammentreffen des Superpaars am Ende der Staffel erhalten. (Aber nein, das war nicht absehbar).
Die Charaktere an sich sind natürlich ein wenig Klischeehaft gewählt – die Schulsprecherin ist eine bitch mit Modelmaßen, der geheime Held der romantische, heiße Musiker, der gut aussehende Junge arrogant, reich und hinter der Lehrerin her und der kleinste im Bunde trägt Bart, lange Haare und lebt eine Art theoretisches Sex-Feng Shui. Aber an Stereotype sind wir ja quasi gewöhnt. An ein paar Stellen stört diese Aufteilung jedoch ein wenig mehr – der Nerd ist groß, schlaksig und trägt eine Brille. Er ist der Klassenbeste, stellt aber sonst die dümmsten Fragen – klar, sein Image wird ja durch sein nerdiges Aussehen schon adäquat aufrecht erhalten. Das dicke Mädchen bekommt Sex und Liebe erst am Ende der zweiten Staffel, hat stattdessen in der ersten Selbstmordgedanken – weil natürlich keiner der „gutaussehenden“ Kerle auf sie steht. (Wäre ja nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das mal passierte, liebe Fernsehwelt!). Und die Lesbe ist eine männerfeindliche Emanze, die irgendwann beim Feng-Shui-Sexisten schlechthin landet (und sich danach weiblicher anzieht). Danke für den Erhalt dieses Bildes, liebes ProSieben! (Mehr dazu zu sagen hätte bestimmt Anita Sarkeesian von Feminist Frequency).

Ist man aber bereit über das hinwegzusehen – und Kritik in Sachen Sexismus, Rassismus, Lookism und Heteronormativität ist leider an jedem Fetzen Film zu hegen, den die Entertaimentwelt für unsere irr-sozialisierten Köpfen erzeugt – dann ist „18 – Allein unter Mädchen“ ein netter Vertreib für ein paar Abende, an denen man sich auf angenehme Art an „Liebe“, Jugend und Schulzeit erinnern möchte.

Ich möchte das manchmal.

***

Wertung: 3